| zur Startseite | zur Übersicht der Angebote | www.helmahoerath.de |
- drei Musiker/innen
- Erzähler/in und gleichzeitig Gerichtsschreiber/in (Figuren können natürlich
auch getrennt von zwei Kindern dargestellt werden)
- vier Eulenspiegel
- Richter/in
- zwei Kulissen-Anzeiger/innen
Die Kulissen bestehen aus gemalten Bildern zu den Geschichten, die von den Eulenspiegeln berichtet werden. Zu jeder Geschichte gehören zwei Bilder, die von den Kulissen-Anzeigern dem Publikum gezeigt werden, wenn die jeweilige Geschichte erzählt wird. Sie stehen / sitzen links und rechts von der Tafel hinter den vier Eulenspiegel
- ein/e Theater-Titel-Ankünder/in und gleichzeitig Theaterreporter/in mit Fotoapparat; sie/er macht während des Auftritts Fotos.
Zwei Kartenständer links und rechts von der Tafel, zwischen den Kartenständern wird eine Leine gespannt, darüber werden zwei Stoffbahnen geworfen. Der hintere und vordere Teil jeder Stoffbahn wird mit Klammern festgeklammert. An der Tafel werden nach dem Öffnen des Vorhangs mehrere Eulenspiegel-Porträts sichtbar, die von allen Mitwirkenden gezeichnet bzw. gemalt wurden. Zwischen den Kartenständern und vor dem Vorhang stehen vier Stühle. Rechts und links von der Tafel ein schräg gestellter Tisch. Dadurch wird die Bühne in einen offenen Halbkreis verwandelt.
Der eine Tisch gehört der Gerichtsschreiberin. Auf dem Tisch stehen / liegen ein großes altes Buch, ein altes Tintenfass und eine Ablage (hier war es eine kleine, leere Flasche) zur Aufbewahrung des Federkiels. Der andere Tisch gehört der Richterin. Hinter dem Tisch steht ein Stuhl, der mit Tüchern verhangen und damit zu einem „Richterstuhl" verwandelt wurde, unter den Tüchern ein Kissen, damit die Richterin deutlich erhöht sitzt.
Marktplatz in einer mittelalterlichen Kleinstadt bzw. einem großen Dorf.
Statt der Eulenspiegel-Porträts an der Tafel kann dort auch die Ansicht dieses
Marktplatzes gezeigt oder mit farbiger Kreide aufgemalt werden.
Musik eröffnet das Theaterstück.
Die „Töne" des Musikstückes wurden mit einer Lochzange in einen Papierstreifen
gedrückt. Ein Spielwerk mit einer Drehvorrichtung wurde vorher auf eine Spielzeug-Gitarre
geschraubt.
Und so wird die Musik aus der Gitarre mit dem Spielwerk gedreht.(Siehe Fotos!)
Vor dem noch geschlossenen Vorhang
Mitwirkende in der Szene:Titel-Ankünder/in, Erzähler/in
Titelankünderin:
tritt vor den Vorhang und ruft laut
Wir zeigen jetzt das Spiel: Wer ist der richtige Eulenspiegel?
Geht nach links ab, von rechts kommt die Erzählerin, bleibt in der Mitte
des Vorhangs stehen.
Die Erzählerin sowie die Richterin treten jeweils von der Seite auf, an der
ihr Tisch steht.
Erste Musik
Erzählerin:
Kennt ihr Till Eulenspiegel?
Ja? - - Nein?
Ihr werdet ihn gleich kennenlernen.
Das Buch mit den Geschichten über Till Eulenspiegel erschien das erste Mal
1511, also vor 500 Jahren. Wer dieses Buch geschrieben hat, das wissen wir nicht
genau.
Wir wissen auch heute noch nicht mit Sicherheit, ob denn Till Eulenspiegel wirklich
gelebt hat oder ob es nur eine ausgedachte Figur ist.
Der Autor der ältesten Buchfassung bezieht sich auf einen Eulenspiegel, der
1300 in Kneitlingen geboren sein soll.
Kneitlingen ist ein kleiner Ort in dem heutigen Bundesland Niedersachsen.
Gestorben sein soll dieser Eulenspiegel im Jahr 1350 entweder in Mölln, einer
Stadt in Schleswig-Holstein, oder er ist in Lüneburg gestorben. Das ist eine
Stadt in Niedersachsen.
Die Erkennungszeichen von Eulenspiegel sind eine Eule, ein Spiegel und die Narrenkappe,
eine Mütze mit Eselsohren.
Vor 500 Jahren sprachen viele Menschen Plattdeutsch. Im Plattdeutschen wird
der Name „Ulens-pegel" ausgesprochen. Der Satz: „Ick bin ulen spegel." bedeutet
in unserer heutigen deutschen Sprache: „Ich bin euer Spiegel." oder „Ich halte
euch den Spiegel vor."
Eulenspiegel nahm viele Berufe an. Mal war er Schneider oder Bäcker, Wächter
oder Schuhmacher.
Mal arbeitete er bei einem Kaufmann, ein anderes Mal beim König von Dänemark.
Überall erlebte er seltsame Geschichten.
Die Streiche Eulenspiegels entwickeln sich meist daraus, dass er Aussagen
seiner Mitmenschen wörtlich nimmt und noch eins drauf setzt, also auf die Spitze
treibt.
Das Wörtlich-Nehmen dient dazu, Eigenschaften der Mitmenschen bloßzustellen.
Das Gelächter und die Schadenfreude benutzt er, um das schwere Leben der kleinen
Leute zu zeigen.
Vorhang wird aufgezogen.
Die Erzählerin wendet sich um und blickt in die Öffnung des Vorhangs bzw. in
die Spielbühne.
Stehen die Stühle für die vier Eulenspiegel vor dem Vorhang, setzt sich der erste Eulenspiegel gerade hin, wenn die Erzählerin sich zu ihm umsieht. Stehen die Stühle hinter dem Vorhang und ist dieser undurchsichtig, dann kann der Eulenspiegel während des Auftritts von Titel-Ankünderin und Erzählerin schon auf dem Stuhl sitzen.
Das gibt es doch nicht. Da sitzt ja Eulenspiegel.
Die Erzählerin verlässt die Bühne und wird zur Gerichtsschreiberin, was sie durch eine Kappe anzeigt.
Mitwirkende in der Szene:
die beiden Kulissen-Anzeiger/innen
die vier Eulenspiegel (alle haben eine Narrenkappe auf)
die Richterin (hat Richterhut auf)
die Gerichtsschreiberin (hat Schreiberkappe auf)
1. Eulenspiegel:
Ja, ich bin Eulenspiegel und ruhe mich hier ein wenig aus.
schaut sich um und bemerkt die anderen, die aus verschiedenen Richtungen
ankommen
Aber das ist ja seltsam, da kommt noch einer, der aussieht wie Eulenspiegel.
Da noch einer und noch einer. Wer bist denn du?
wendet sich an den 2. Eulenspiegel
2. Eulenspiegel:
Ich bin Eulenspiegel.
wendet sich an den 3. Eulenspiegel
Wer bist du?
3.Eulenspiegel:
Ich bin Eulenspiegel.
Er wird von dem vierten Eulenspiegel etwas zurückgedrängt.
4. Eulenspiegel:
Ich bin der wahre Eulenspiegel.
1. Eulenspiegel:
Nein, ich war zuerst hier, ibin der richtige Eulenspiegel.
Alle durcheinander
Nein, ich... Nein, ich...Nein, ich...Nein, ich...
Alle Eulenspiegel sitzen auf einem „Stein" am Wegesrand.
Richterin:
tritt von links auf die Szene, , wenn dort ihr Tisch steht; hat eine
dicke Mappe unter dem Arm und den Richterhut auf dem Kopf
Ruhe jetzt mal!
1. Eulenspiegel:
Wer bist du denn? Und warum sollen wir auf dich hören?
Richterin:
Ihr habt auf mich zu hören, denn ich bin die Richterin in diesem Dorf.
Setzt sich auf den Richterstuhl, der etwas erhöht steht, setzt seinen Richterhut
ab
Und ich an eurer Stelle würde mich nicht darum raufen, der richtige Eulenspiegel
zu sein.
Hier in meiner Mappe habe ich nämlich vier Anklageschriften gegen Eulenspiegel
- eine von Bürgern aus Magdeburg, die wegen Eulenspiegel ihre Schuhe verloren
haben;
- eine vom Schneidermeister aus Berlin, dem Eulenspiegel den Stoff verdarb;
- eine des Grafen von Anhalt, den Eulenspiegel bestahl und
- eine vom Bäckermeister aus Braunschweig, der von Eulenspiegel den Gewinn der
verkauften Ware fordert.
Ihr könnt euch alle verteidigen. Ein jeder erzähle wir seine Geschichte.
Dann werde ich entscheiden, wer Recht hat.
Damit jeder die Schrift seines Klägers auf wahre und unwahre Angaben überprüfen
kann, werdet ihr sie hier vor uns allen verlesen und dabei gleich eure Sicht
der Geschichte einarbeiten.
Gerichtsschreiberin, gib dem Eulenspiegel hier (zeigt auf den ersten Eulenspiegel) die Anklageschrift der Bürger von Magdeburg.
Mitwirkende in der Szene:
die beiden Kulissen-Anzeiger/in
alle Eulenspiegel, aber Eulenspiegel 2 bis 4 sitzen schweigend dabei und verfolgen
den Prozess
der erste Eulenspiegel spricht
die Richterin
die Gerichtsschreiberin
1. Eulenspiegel:
Nun gut, dann soll es so sein.
nimmt die Seite, die die Gerichtsschreiberin ihm reicht
Richterin:
Und du, Schreiberin, notierst alles, was dieser Eulenspiegel zu sagen hat!
Nun beginn!
1. Eulenspiegel:
Als ich so 13 oder 14 Jahre alt war, da machte es mir großen Spaß, auf dem
Seil zu laufen.
Ich übte täglich. Von Tag zu Tag wurde ich besser und geschickter.
Meine Mutter sah das aber gar nicht gern. Sie wollte nicht, dass ich als armer
Artist von Ort zu Ort ziehen sollte. Sie beobachtete mein Treiben mit großem
Unmut.
Irgendwann stellte ich mir selbst eine Mutprobe.
Ich zog das Seil von unserem Haus über den Fluss zu einem Baum auf dem anderen
Ufer.
Viele Leute hatten sich versammelt, um mich beim Seiltanzen zu sehen.
Ich war mitten über dem Wasser, da schnitt meine Mutter das Seil mit einem Messer
durch.
Ich fiel hinunter ins Wasser und stieg triefend aus dem Fluss.
Die Umstehenden lachten und riefen mir zu:
„Na, wie bekommt dir das Bad? Endlich wirst du mal richtig sauber."
Ich lachte mit, aber insgeheim dachte ich:
Wartet nur! Den Spott werde ich euch heimzahlen.
Einige Tage später spannte ich mein Seil über die Straße und begann, über
das Seil zu laufen.
Da kamen sie wieder alle zusammen, die Jungen und die Alten.
Ich fragte: „Wollt ihr ein neues Kunststück von mir auf dem Seile sehen?" „Ja!
Ja! Ja" riefen alle. Darauf meinte ich zu den Kindern:
„Dazu brauche ich von jedem einen Schuh. Doch es muss immer der linke sein."
Ob Ihr es nun glaubt oder nicht. Sie gaben mir alle ihren linken Schuh.
Ich fädelte sie auf einen dicken Faden, hängte mir diese Schuh-Kette um die
Schultern und lief in die Mitte des Seiles. Alle schauten gespannt zu mir herauf.
Da nahm ich die Kette, breitete meine Arme aus und rief hinunter:
„Seht her, seht zu! Ein Jeder suche seinen Schuh!"
Damit ließ ich die Kette an der einen Seite los und die Schuhe fielen übereinander
und durcheinander auf die Straße.
Unter mir entstand ein großes Geschrei.
„Das ist mein Schuh." - „Nein, er gehört mir."
Ein Junge lag unten, ein anderer oben. Sie schimpften und tobten und rauften.
Bald gerieten auch die Alten aneinander und teilten Backenstreiche nach allen
Seiten aus.
Ich aber lachte mir ins Fäustchen, rollte mein Seil ein und lief nach Hause.
Die Nachbarn zürnten mir sehr. Vier Wochen konnte ich mich draußen nicht sehen
lassen. Ich saß ganz still bei der Mutter in der Stube und flickte Schuhe.
Richterin:
Schreiberin, hast du alles notiert?
Gerichtsschreiberin:
Wortwörtlich habe ich alles aufgeschrieben.
Richterin:
Dann gib dem nächsten Eulenspiegel seine Anklageschrift!
Mitwirkende in der Szene:
die beiden Kulissen-Anzeiger/innen
alle Eulenspiegel, aber nur der zweite Eulenspiegel spricht
die Richterin
die Gerichtsschreiberin
2. Eulenspiegel:
nimmt von der Gerichtsschreiberin die Seite
Der Graf von Anhalt suchte einen Turmbläser.
Ach, dachte ich, eine Arbeit mit wenig Mühe.
Du sitzt ganz ruhig auf dem Turm, schaust ins Land und bläst Alarm, wenn
Feinde kommen.
Aber wann kommen die schon. Der Graf ist mächtig, keiner wird es wagen, ihn
oder sein Hab und Gut anzutasten.Also wenig Arbeit für mich, dafür immer gutes
Essen und Trinken.
Ich verdingte mich beim Grafen.
Das mit dem guten Essen und Trinken stimmte, aber nicht für mich.
Nach jedem Raubzug saß der Graf mit seinen Rittern unten im Schlosshof und feierte
rauschende Feste.
Der Bratenduft zog bis zu mir auf den Turm. Ich aber hungerte.
Wenn mir die Küchenmagd nicht ab und zu einen Kanten Brot und ein Krug Wasser
gebracht hätte, wäre es sicherlich schlecht mit mir ausgegangen.
Mit jedem Raubzug meines Herrn wurde die Herde mit den gestohlenen Kühen
größer.
Die Tiere weideten vor dem Tor des Schlosses.
Dann näherten sich Feinde des Grafen und begannen, die Kühe wegzutreiben.
Ich blies nicht Alarm.
Das wurde dem Grafen gemeldet und er schrie wütend zu mir herauf:
„Warum liegst du faul im Fenster? Willst du nicht die Feinde anblasen?
Ich antwortete:
„Vor dem Essen tanze ich nicht gern. Ich darf auch keine Feinde mehr heranblasen.
Das Feld ist schon voll von ihnen."
Da warf sich der Graf in wildem Zorn auf sein Pferd und verfolgte die Feinde.
Eines Tages kehrte der Graf mit Reitern und Fußvolk von einem großen Beutezug
heim.
Schon wurde die Festtafel hergerichtet. Der Braten dampfte auf dem Tisch.
Die Diener schenkten Wein ein. Die Herren setzten sich gerade zum Festmahl an
den Tisch.
Da blies ich ins Horn und rief laut nach unten:
„Auf die Pferde, ihr Rittersleut! Feinde! Feinde rücken heran."
Der Graf und die Seinen sprangen erschrocken auf, legten in wilder Hast die
Rüstungen an,
stürzten aus dem Tor und suchten stundenlang in Wald und Flur nach den Feinden.
Ich aber lief schnell die Treppe des Turmes hinunter, setzte mich an des Grafen
Tisch, aß und trank nach Herzenslust.
Dann packte ich mir noch meinen Rucksack voll, so dass ich ihn kaum auf meinen
Rücken hiefen konnte. Dazu stopfte ich eine große Flasche Wein in meinen Beutel.
Dann verließ ich Schloss und Stadt, so schnell ich nur konnte.
Richterin! Nun sag! Habe ich Unrecht getan? Ich nahm mir nur, was der geizige
Herr mir nicht gab. Es stand mir zu. Die Anklageschrift ist nichts wert.
Richterin:
Das entscheide ich.
Nun soll der dritte Eulenspiegel von seinem Erlebnis berichten und danach der
vierte.
Erst dann kann ich eine gerechte Entscheidung treffen.
Gerichtsschreiberin, gibt dem dritten Eulenspiegel die Anklageschrift!
Mitwirkende in der Szene:
die beiden Kulissen-Anzeiger/innen
alle Eulenspiegel, aber nur der dritte Eulenspiegel spricht
die Richterin
die Gerichtsschreiberin
3. Eulenspiegel:
Hört! Ich habe die Backware rechtmäßig erworben, denn der Meistert verkaufte
sie mir.
Richterin:
Erst die ganze Geschichte, dann sehen wir weiter.
3. Eulenspiegel:
Es war kurz vor Weihnachten. Da kam ich abends in die schöne Stadt Braunschweig.
Es war bitter kalt.
Wie froh war ich, dass mich in der Herberge ein Bäcker fragte, ob ich bei ihm
arbeiten wollte. Natürlich wollte ich.
In einer Backstube gibt es immer was zu essen und frieren muss man dort auch
nicht.
Also, ich sagte sofort zu.
In der Bäckerei angekommen, sagte der Meister zu mir:
„Geh nur gleich an die Arbeit. Morgen in aller Frühe muss die Ware fertig sein."
Ich meinte: „Mir ist es recht. Ihr müsst mir nur sagen, was ich backen soll."
Der Meister war ungeduldig, denn er wollte ins Bett, spottend sagte er:
„Du willst ein Bäckerknecht sein und fragst noch, was du backen sollst.
Was wird man schon backen? Eulen und Meerkatzen natürlich!"
Damit warf er die Tür zu und ging schlafen.
Ich nahm den Teig und formte daraus nichts als Eulen und Meerkatzen.
Am nächsten Morgen kam der Meister in seinen Pantoffeln und mit seiner Schlafmütze
auf dem Kopf zu mir.
Er rief schon von weitem: „Bursche, hast du alles fertig gebacken?"
„Ja, Meister," antwortete ich und war gerade dabei, das letzte Blech aus dem
Ofen zu ziehen.
Der Meister schlug die Hände über den Kopf zusammen und war außer sich vor
Zorn.
„Dass dich das Fieber schüttele!" schrie er. „Was, zum Teufel, hast du gebacken?"
„Ja, wie ihr sagtet," antwortete ich ganz ruhig, „Eulen und Meerkatzen."
„Was soll ich mit dem Narrenzeug?" jammerte der Meister. „Wie soll ich das zu
Geld machen?
Ich will von dir den verdorbenen Teig bezahlt haben."
„Gut," antwortete ich. „Dann gehört das Backwerk mir."
„Nimm alles. Was frag ich nach solcher Ware", polterte der Meister.
Ich bezahlte, nahm den Korb und dachte im Stillen darüber nach, was die Leute
auf meinen Wanderwegen immer erzählt hatten.
Sie sagten: „Ein Ding kann noch so seltsam sein, in Braunschweig machst du es
zu Geld."
Ich ging auf den Marktplatz. Ich stellte mich mit meinem Korb und der seltsamen
Backware in die Nähe der Kirche von Sankt Nikolaus.
Dann rief ich: „Eulen und Meerkatzen, frisch gebacken."
Alle blieben bei mir stehen und die Kinder bettelten:
„Ach bitte, mir eine Eule! Mir eine Meerkatze!"
Im Nu war mein Korb leer und meine Geldbörse prall gefüllt.
Ich hatte viel mehr eingenommen, als der Teig gekostet hatte.
Als der Bäckermeister davon erfuhr, ärgerte er sich über alle Maßen und raste
wütend auf den Markt.
Aber ich hatte schon lange Braunschweig verlassen und war auf dem Weg nach
Teltow.
Dort sollten ganz besondere kleine Rüben wachsen, die ich dem König von Dänemark
bringen wollte. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Soll ich sie
auch noch erzählen?
Richterin:
Schweig davon! Diese Sache wird hier nicht behandelt.
Ich brauche noch die Geschichte des vierten Burschen mit der Narrenkappe.
(macht der Schreiberin ein Zeichen)
Mitwirkende in der Szene:
die beiden Kulissen-Anzeiger/innen
alle Eulenspiegel, aber nur der vierte Eulenspiegel spricht
die Richterin
die Gerichtsschreiberin
4. Eulenspiegel:
Dann hört mir alle gut zu.
Als ich nach Berlin kam, nahm ich Arbeit bei einem Schneider an.
Der Meister sagte zu mir, dass ich ganz eng und fein und fast unsichtbar
nähen sollte.
Ich sagte ja, nahm Nadel und Faden und kroch mit dem Stoff unter ein Fass.
„Was tust du da?" fragte der Meister. „Was ist das für eine seltsame Näherei?"
„Meister," erwiderte ich, „Ihr sagtet, ich solle nähen, dass man es nicht bemerke.
So vermag es niemand zu sehen."
Der Meister schüttelte den Kopf und gab mir den Auftrag, so zu nähen, dass man es fein sehe.
Eines Abends war der Meister müde und wollte zu Bett gehen. Ich sollte aber
weiter arbeiten.
Er nahm einen unfertigen, grauen Bauernmantel und warf ihn mir mit den Worten
zu:
„Mach den Wolf fertig! Dann kannst du zu Bette gehen."
Und damit verließ er die Stube.
Ich nahm den Mantel, schnitt ihn auf, formte daraus einen Wolfskopf und einen
Leib.
In die Beine steckte ich Besenstiele. So stand der Wolf am Ofen.
Das war ein schweres Stück Arbeit. Endlich konnte auch ich mich zur Ruhe begeben.
Morgens stand die Meisterin als Erste auf. Sie schrie das ganze Haus zusammen.
Auch der Schneider erschrak. Doch sah er bald, dass da kein richtiger Wolf stand.
„Was zum Teufel hast du gemacht?" fragte mich der Meister.
„Ich machte, was Ihr mir aufgetragen hattet."
„Solchen Wolf meinte ich doch nicht," entgegnete der Meister unwillig.
„Ich nannte nur den grauen Bauernmantel einen Wolf."
„Ja, lieber Meister, das wusste ich nicht.
Hätte ich es gewusst, so hätte ich doch lieber den Mantel fertig genäht.
Das mit dem Wolf war eine große Quälerei."
Eines Abends geschah es wieder, dass der Meister schlafen gehen wollte.
Doch ich sollte nicht so früh mit der Arbeit aufhören.
Er gab er mir eine Jacke, an der noch die Ärmel einzunähen waren, und sagte:
„Wirf noch die Ärmel an die Jacke! Dann geh auch du schlafen!"
Als der Meister aus der Stube war, hing ich die Jacke an einen Haken, zündete
zwei Kerzen an, nahm einen Ärmel nach dem anderen und warf damit nach der Jacke.
Immer wieder und immer wieder, die ganze Nacht durch.
Eine Kerze nach der anderen musste ich anzünden. Dann kam endlich der Morgen.
„Was machst du da ulkiges?" fragte der Meister.
„Das ist doch nicht ulkig," antwortete ich ganz ruhig.
„Ich habe das getan, was ihr mir aufgetragen hattet.
Aber diese Ärmel wollen und wollen nicht hängen bleiben.
Es wäre besser für mich gewesen, auch schlafen zu gehen.
Ihr hättet wissen müssen, dass das eine unsinnige Arbeit ist."
„So war es auch nicht gemeint," erwiderte der Meister.
„Ja, Meister," antwortete ich, „sagt ihr denn etwas, was ihr nicht meint?
Hätte ich eure wahre Meinung gekannt, so hätte ich die Ärmel wohl bald angenäht
und wäre noch zu einigen Stunden Schlaf gekommen.
So mögt ihr jetzt nähen. Ich aber muss erst schlafen."
Als der Meister von mir verlangte, dass ich ihm die Kerzen bezahlen sollte, da packte ich schnell meine Sachen und eilte davon.
Richterin:
Burschen, gebt mir die Anklageschriften! Ich muss nachdenken!
klappt die Mappe auf und legt sie hinein
> Musik
Mitwirkende in der letzten Szene:
Alle, aber ohne Kulissen-Anzeiger/innen, da es keine Kulissenblätter gibt,
könnten aber angefertigt werden
Richterin:
schüttelt den Kopf
Nein, ich kann diese Entscheidung nicht treffen. Nein, ich kann das nicht!
Ich weiß viel zu wenig über Till Eulenspiegel. (schaut die Zuschauer an)
Wisst ihr mehr über Till Eulenspiegel? Nein!
Wie könnt ihr dann erwarten, dass ich, ich kleine Dorfrichterin, entscheide?
(haut die Mappe auf den Tisch und zeigt auf die vier Eulenspiegel, so laut, dass al,le erschreckt zusammenzucken)
Wie könnt ihr von mir die Entscheidung verlangen?
Ihr selbst wisst nicht, wer von euch der richtige Till Eulenspiegel ist.
Warum soll ich es wissen?
Gut, ich bin die Richterin, ich muss entscheiden, ja, ich muss entscheiden.
Also, hört gut zu! Ich werde euch jetzt meinen Spruch verlesen:
steht auf
Ihr (zeigt mit dem Finger auf die Zuschauer)
Ihr lest alle 95 Geschichten über Till Eulenspiegel!
Eure Eltern schickt ihr auf Forschungsreise durch Deutschland!
So werdet ihr die Zeit zum Lesen haben.
Zuerst schickt ihr die Erwachsenen nach Kneitlingen.
Dort sollen sie sich das Eulenspiegeldenkmal ansehen.
Danach weiter nach Braunschweig. Dort gibt es einen Eulenspiegel-Brunnen.
In Bernburg gibt es einen Eulenspiegelturm.
In Mölln gibt es an mehreren Stellen in der Stadt Eulenspiegel- Figuren.
In Magdeburg und Lübeck sollen sie durch den Eulenspiegel-Weg und den Eulenspiegel-Ring
laufen, nicht mit dem Auto fahren, hört ihr, sie sollen zu Fuß wie Eulenspiegel
unterwegs sein.
Für mich habe ich den Besuch der Mainzer Fastnacht vorgemerkt.
Dort soll Till Eulenspiegel jedes Jahr regelmäßig sein.
Eure Lehrer schickt ihr zu den Eulenspiegel-Museen
in Schöppenstedt, in Mölln, in Einbeck, in Eisleben...
Und so weiter und so weiter.
Eure Lehrer sind kluge Leute, sie sollen allein im Land nach dem richtigen Eulenspiegel
suchen.
Und ihr (wendet sich an die vier Eulenspiegel) bringt endlich die
Teltower Rübchen zum König von Dänemark!
Wenn das alles, alles erledigt ist, dann treffen wir uns genau hier an dieser
Stelle wieder.
Ich erwarte eure Berichte.
Und dann werde ich entscheiden! Ja, dann.
lässt sich erschöpft auf den Stuhl fallen, stöhnt laut
Ja, dann treffe ich meine Entscheidung. - - - - Vielleicht.
>Musik
In die Musik hinein streiten sich die
Alle vier Eulenspiegel:
laut, als die Richterin sie böse ansieht, werden sie leiser, bis nur
noch die Musik zu hören ist
Ich bin der richtige Eulenspiegel. Ich bin der richtige Eulenspiegel.
Nein, ich bin Eulenspiegel. Nein, ich bin Eulenspiegel. Nein............
Alle Mitwirkenden:
stehen auf, bleiben aber an dem Platz, den sie gerade einnehmen, und
fragen gemeinsam das Publikum:
Wer ist der richtige Eulenspiegel?
Titel-Ankünder/in:
Die Erzählerin / der Erzählerin und die Titel-Ankünder/in ziehen den
Vorhang zu.
Ende
| zur Startseite | zur Übersicht der Angebote | www.helmahoerath.de |