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Als ich vor 60 jahren mit meinen Eltern und meiner Schwester nach Kleinmachnow zog, da war Teltow für mich nur ein Ort mit einer wichtigen Straße, durch die die Autos von Berlin nach Potsdam und von Potsdam nach Berlin durchrauschten. Mittlerweile ist Teltow fast ein Geheimtipp für Künstler und Künstlerinnen, ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt hier her zu verlegen oder von hier aus ihre kreativen Kreise zu ziehen bzw. ihre künstlerischen Arbeiten gerade hier dem Publikum zu präsentieren. Davon zeugte u.a. der gerade mit großem Erfolg am 7. November 2010 gelaufene Teltower Kunstsonntag, der nun schon zum dritten Mal Kunstschaffende und Besucher in wachsender Zahl in diese Stadt zog.
Nun folgt heute die Eröffnung der Ausstellung „Teltower Künstler stellen sich vor". Es ist die zweite dieser Art. Mit ihr soll auf alteingesessene, neuentdeckte, zugezogene Künstler und Künstlerinnen aufmerksam gemacht werden. Das Besondere der heutigen Präsentation in diesem unteren Flur des Rathauses sind nicht die unterschiedlichen künstlerischen Handschriften. Das ist ja normal bei einer Ausstellung, die mehrere Künstler und Künstlerinnen erfasst. Sondern das Spannende - und so empfinde ich es – ist das hier Werke gezeigt werden von Suchenden, von Lernenden, von Lehrenden, von Künstlern, die ihren künstlerischen Weg gefundenen haben, und von denen, die noch nicht wissen, in welche Richtung sie der Wind der Kreativität treiben wird.
In einem kleinen Gesprächsskreis kam gestern die Frage auf: Ja, wer ist denn eigentlich ein Künstler? Wer darf sich denn eine Künstlerin nennen? Da ich diese Frage nicht kurz und knapp und eindeutig beantworten konnte, schaute ich mir gestern Abend Definitionen im Internet an. Ich habe folgendes zusammengetragen:
Als Künstler, als Künstlerin werden heute die Menschen bezeichnet, die Werke der Bildenden Kunst (Baukunst, Bildhauerei, Malerei, Grafik), der Darstellenden Kunst (Theater, Tanz, Film, Medienkunst), der Angewandten Kunst (Gebrauchsgegenstände mit künstlerischem Anspruch) sowie der Literatur und der Musik schaffen bzw. deren Herstellung lehren. Und damit ist vollkommen klar, dass diese 16 Namen, die diesmal in der Ausstellung „Teltower Künstler" genannt werden - und das sind Ingrid Benes, Bärbel Brede, Hans-Jürgen Brauer, Josef Dederichs, Axel Feuerberg, Helma Hörath, Erika Kleinschmidt, Beate Lein-Kunz, Dieter Leßnau, Ursula Pfuhl, Frauke Schmidt-Theilig, Nadja Siegl, Steffi Thiele, Angelika Watteroth, Eberhardt Wolfgang und Stefan Zimmer - das diese Beteiligten 2010 nur eine Teilgruppe der Teltower Künstler ausmachen. Darum wäre es schön und wünschenswert, wenn sich noch mehr Teltower Künstler gerade hier im Rathaus den Teltowern – also sozusagen ihren Nachbarn -, aber auch den Besuchern der Stadt vorstellen.
Neben den in den letzten Jahren zunehmenden, öffentlichkeitswirksamen Kunst-
und Kultur-Ereignissen in Teltow wie Kunstsonntag, Offene Höfe, Stadtfeste – um
nur einige wenige hier zu nennen - gibt es kleinere, unscheinbare und doch nicht
unwichtige Termine, die meist hinter den Kulissen ablaufen wie z. B. die
„Eckigen Gespräche am runden Tisch in der Galerie Altstadthof". Diesen sollten
wir Künstler noch mehr nutzen, um uns besser kennenzulernen und uns
auszutauschen.
In den letzten zehn Jahren haben sich aber auch relativ feste
Interessenvereinigungen von Kunstschaffenden gebildet, die sich nicht nur auf
Teltow konzentrieren, sondern daneben genauso Künstler und Künstlerinnen aus
Stahnsdorf, Kleinmachnow, Berlin-Zehlendorf und mit ihren Ausstellungen und
Kunstaktionen unsere gesamte heimatliche Region erfassen. Ich denke dabei an die
„blutorangen" und an „Art Event". Einzelne Mitwirkende beider Gruppen stellen
hier auch aus.
Die „blutorangen" und „Art Event" haben sich mittlerweile schon über unsere
Orte hinaus einen Namen gemacht. Wir Künstler finden uns, unsere Themen und wir
finden einen gemeinsamen Weg, der nicht an der Ortsgrenze aufhört.
Laudatio heißt ja Lobrede. Nun soll man sich ja nicht selbst loben, haben uns unsere Eltern beigebracht. Und doch muss ich uns Künstler loben. Denn anscheinend sind wir Künstler in dieser Hinsicht weiter und weitsichtiger als unsere örtlichen Kommunalpolitiker, die es wieder einmal nicht geschafft haben, uns Bürgern eine Buslinie anzubieten, mit der wir durch unsere drei Orte kommen, ohne mindestens einmal umsteigen zu müssen.
Aber vielleicht denke ich ganz falsch. Vielleicht, vielleicht haben unsere Abgeordneten das so gewollt, dass wir Kleinmachnower, Teltower und Stahnsdorfer noch mehr Berührungspunkte haben, und wenn sich diese nur beim Warten auf den nächsten Bus ergeben. Ins Gespräch kann man ja überall kommen. Vielleicht, ja vielleicht gibt es mehr als das einigende Protestieren gegen Flugrouten. Vielleicht, ja vielleicht gibt es eine überörtliche Idee, bei der die Umsteigehaltestellen zu bürgernahen Kommunikationspunkten ausgebaut werden sollen. Und dann können wir Künstler ins Spiel kommen, denn diese Kunstbauten könnten ja eine künstlerische Note bekommen.
Aber bis dahin laden wir, die ausstellenden Künstler, Sie bis zum 7. Januar 2011 ein, sich mit unseren Werken in ein Augengespräch einzulassen. Natürlich können Sie sich auch gern, über unsere Web-Seiten mit uns in Verbindung setzen.
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