Inspirationsquelle BaumIm November 2010 betrat ich das erste Mal ganz allein den Hof in
der Teltower Breitestraße 28. Ich ging bis zum Buschland im hinteren
Teil und drehte mich. Nur Schneeflocken umkreisten mich. Mit ihnen
fand ich meinen Platz in der freien Mitte des Hofes, mit dem Blick
zum Hoftor. Leider war ich ohne Fotoapparat gekommen. So stand ich
minutenlang unbeweglich und ließ das winterliche Grau der Erde und
der Gebäude auf mich wirken. Umwirbelt vom Weiß des Schnees, fühlte
ich mich allein und einsam, bis meine Augen an der Kastanie hängen
blieben. |
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Wind und märkische HoferdeNachdem ich mich über Wochen mit den philosophischen
Hintergründen zur Thematik der Leere beschäftigte, kristallisierte
sich irgendwann der Gedanke heraus, dass ich mit einem transparenten
Material arbeiten, dieses in eine einfachen Form (Quadrat oder
Rechteck, mit einer Öffnung, um aus der scheinbaren Leere des
Körpers das Auge des Menschen in die Leere des Raumes hinter diese
Fenstern zu lenken) bringen will und dass dieser Körper, nein viele
dieser kleinen Körper schweben sollen sozusagen schwimmen in einer
scheinbaren Leere der Luft. Das Schweben konnte ich nur mit meiner
Freundin der Kastanie verwirklichen. |
Wind und märkische HoferdeZu Hause hatte ich 50 kleine Fenster aus
dünner Folien geschnitten. Dann ging ich daran, diese Körper an die
Drähte zu binden. Und jetzt kam er, der Wind, und spielte mit mir
und meinen Fenstern, warf sie zur Seite und drehte sie zu einem
dicken Zopf zusammen. Na ja, dachte ich, dann bringt der Wind eben
sein eigenes Kunstwerk hervor. Ich war auf dem Wege, mich damit
abzufinden. Aber am allerschlimmsten war, dass der Wind in die
Hoferde fuhr und sie aufwirbelte. Meine filigranen Folien-Fenster
saugten die Staubkörnchen auf. Sie verloren damit ihre
Durchsichtigkeit. |
Ein Fenster blieb zurückWährend meines Galeriedienstes in der Ausstellungswoche entdeckte ich irgendwann, dass ich eine meiner kleinen Skulpturen vergessen hatte. Nur ab und zu blitzten Sonnenfunken in der Folie, weit hinten dicht an dem mächtigen Stamm hing sie und drehte sich an ihrem Golddraht im Wind. Ich versuchte, mit einigen Fotos den Eindruck wiederzugeben, den ich mir anfänglich durch die große Anzahl der Folienfensterchen versprach. Aus dieser Fülle sollte das Auge durch die Öffnung, die ich in die Mitte das „Rahmens“ geschnitten hatte, in die scheinbare Leere hinter meinen Gebilden entweder mit dem Blick in den Hof hinein oder zum Stamm bzw. zu den Büschen hinter dem Stamm geführt werden. Durch die von mir vorgegebene Öffnung sollte die Aufmerksamkeit des Betrachters auf einen kleinen Ausschnitt des „Gesamtbildes“ Hofes gelenkt werden. Bei dem einen gelang das irgendwie doch, was die Fotos belegen. Aber ob das in der Reihe mit 50 Fensterchen bei Windstille hätte auch gelingen können, bleibt offen. |
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Art Event 2011 ist vorbei.
Es lebe Art Event 2012! |
Die Sonne und ihr ScheinAuch wenn auf den Fotos die goldfarbenen Drähte fast wie dicke Lianen wirken, so sind sie doch so fein, dass sie beim Betreten des Hofes fast unsichtbar für das menschliche Auge sind. Erst durch das Berühren von Haar und Gesicht der Vorübergehenden wird der Mensch gewahr, dass da etwas ist. Als dann die Sonne ihre Strahlen durch die Äste und Blätter der Kastanie drängelte, inmitten der ersten grünen Lebensblätter der vielen Kastanienkindern am Fuße von Mutter-Vater einen goldenen Lichtkreis malte und mich ein Lichtstern blendete, da war ich glücklich, dass es so gekommen ist: SCHEIN. |
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ScheinEin freistehender Baum scheint anderes neben sich nicht zu dulden. Er imponiert durch seine Größe. Vor 100 Jahren oder mehr besetzte eine Kastanie einen zufällig freien Fleck in diesem Hof. Nur in dieser Freiheit konnte sie wachsen, sich behaupten und ausbreiten. Um sich entfalten zu können, brauchen Körper die Leere. Um sich zu verändern, die Reibung mit anderen. Das horizontale Schwingen der Äste, Zweige, Blätter in die Leere des Raumes hinein, den sich der Baum im Laufe seines Lebens schuf, wurde durch dünne Sonnen-Drähte in die Vertikale geführt. An ihnen kann der Blick durch die scheinbare Leere hinaufgleiten. Manche Goldfäden, die teilweise aus der Krone des Baumes fallen, spürt man erst, dann werden sie sichtbar. Wenn das menschliche Auge nichts sieht, bedeutet es nicht, dass da wirklich Leere ist. In den Spannungsbogen von leerem Schein und scheinbarer Leere reckt sich die hoch aufgerichtete Holzpalette. Ihre Zwischenräume - geöffneten Fenstern gleich - fesseln den Blick. Der Raum dahinter ist leer. Oder ist er das nicht? |
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